Menschen diskutieren gemeinsam an einem Tisch

Projekt

»Ich bin geschlechtslos, wie Kakteen und manche Fische«

Zusammenfassung Während gerade die Abgrenzung von Mensch und Technik lange Zeit eine Rolle spielte, wird KI schon seit Jahrzehnten stark vermenschlicht, was vor allem über die Ebene des Geschlechts passiert. KI werden damit Vorstellungen vom Menschen eingeschrieben. Während einerseits Entwickler*innen und Tech-Firmen…

Zusammenfassung Während gerade die Abgrenzung von Mensch und Technik lange Zeit eine Rolle spielte, wird KI schon seit Jahrzehnten stark vermenschlicht, was vor allem über die Ebene des Geschlechts passiert. KI werden damit Vorstellungen vom Menschen eingeschrieben. Während einerseits Entwicklerinnen und Tech-Firmen in Produktnamen, Verhaltensweisen oder Interfaces eine geschlechtliche Lesart vorgeben, können auch Medien stereotype Narrative perpetuieren und selbst die Nutzerinnen produzieren häufig unbewusst eine sprachliche Ko-Konstruktion von Geschlecht durch die für KI verwendeten Pronomen. Der Beitrag beschreibt zunächst in seiner theoretischen Grundlage das Verhältnis von Geschlecht und Technologie anknüpfend an Erkenntnisse aus den feministischen Science und Technology Studies. KI werden dabei als Produkt eines materiell-diskursiven Apparates verstanden. Es wird davon ausgegangen, dass nicht nur die vorwiegend männlichen Entwickler Autoren einer Geschlechtszuschreibung bei KI sind, sondern auch Nutzer*innen stereotype Erwartungen oder Lesarten von Geschlecht an KI herantragen. In KI selbst finden sich nämlich Merkmale eines sozialen Geschlechts, als dessen Unterformen auch biologisches Geschlecht imitiert und psychologisches Geschlecht simuliert werden kann. Diese Einschreibungen werden jedoch meist nicht wahrgenommen oder sogar bewusst verschleiert. Ein Modell zur sprachlichen Ko-Konstruktion von Geschlecht soll verschiedene Ebenen aufzeigen, in denen Geschlecht evoziert oder in Kommunikation produziert wird.