Sequenziergerät und Proben im Genomiklabor

Projekt

Uncreative Writing mit ChatGPT

Das Schreibzeug arbeitet mit an meinen Gedanken«, schreibt Friedrich Nietzsche aus Genua an seinen Freund Heinrich von Köselitz. 1 Getippt und gedacht wurde dieser Satz auf der aus heutiger Sicht recht altertümlich wirkenden Kugelschreibmaschine des dänischen Erfinders Malling-Hansen. 2 Mögen andere Sätze und Aphorism…

Das Schreibzeug arbeitet mit an meinen Gedanken«, schreibt Friedrich Nietzsche aus Genua an seinen Freund Heinrich von Köselitz. 1 Getippt und gedacht wurde dieser Satz auf der aus heutiger Sicht recht altertümlich wirkenden Kugelschreibmaschine des dänischen Erfinders Malling-Hansen. 2 Mögen andere Sätze und Aphorismen von Nietzsche populärer sein, für die Medienphilosophie und Literaturwissenschaft ist es der zentrale Satz.Er veranschaulicht, dass unser Denken und Schreiben keineswegs im luftleeren Raum des reinen Geistes stattfindet, sondern dass es einen Unterschied macht, ob wir unsere Gedanken mit dem Stift zwischen zwei Fingern aufs Papier kratzen, mit zehn Fingern über die Tastatur fliegen oder ob unsere Texte auf dem Smartphone zwischen zwei Daumen auf einer virtuellen Tastatur entstehen.Dieser Satz macht die technikphilosophische Grundthese greifbar, dass Technik mehr ist als ein dienstbares Werkzeug, sondern dass sie eine konstitutive Kraft ist, die unser Denken und Handeln prägt und sogar über eigenständige und bisweilen eigensinnige Formen von Handlungsmacht verfügt.Seit dem 30.November 2022 hat Nietzsches Satz eine neue Wendung genommen.An diesem Tag hat das amerikanische Softwareunternehmen OpenAI sein KI-Schreibzeug ChatGPT (Generative pre-trained Transformer) der breiten Öffentlichkeit vorgestellt.3 Innerhalb von nur fünf Tagen registrierten sich welt-1 Stephan Günzel/Rüdiger Schmidt-Grépaly (2002): Friedrich Nietzsche,