Serverreihen in einem hellen Rechenzentrum

Projekt

Vom Großrechner zur Computer Utility: Netzwerkimagination und Computerforschung zwischen Effizienzparadigma, Markt und Demokratieversprechen

1. Vom Mainframe zum Personal Computer 69 Doch die Dezentralisierung und Demokratisierung enthielt auch eine Gegenbewegung: Historisch eröffnete die Demokratisierung durch den dezentralisierten Heimcomputer zugleich die Expansion des Marktes, und dies nicht nur materiell bezüglich der Verbreitung von Computern, sonder…

1. Vom Mainframe zum Personal Computer 69 Doch die Dezentralisierung und Demokratisierung enthielt auch eine Gegenbewegung: Historisch eröffnete die Demokratisierung durch den dezentralisierten Heimcomputer zugleich die Expansion des Marktes, und dies nicht nur materiell bezüglich der Verbreitung von Computern, sondern auch ideologisch im Sinne der Betonung der individuellen Bedürfnisse und Präferenzen als Grundlage einer idealen Nutzung der neuen Geräte.Bevor dies jedoch zum Thema wird, geht es im folgenden Kapitel einen Schritt zurück in die Welt des Mainframes und der universitären Auseinandersetzungen mit dem Computer.Vom Großrechner zur Computer Utility: Netzwerkimagination und Computerforschung zwischen Effizienzparadigma, Markt und Demokratieversprechen Will ›to be on line‹ be a privilege or a right?96 (Joseph Licklider und Robert Taylor: The Computer as a Communication Device, 1968) Ob UniComp, Vulcan oder Mike, viele Science-Fiction-Werke der 60er-und frühen 70er-Jahre beschrieben ihre Supercomputer als Geräte, die zwar kommunikativ vernetzt, räumlich jedoch aufgrund ihrer Größe so unbeweglich waren, dass sie als starre Festungen ganze Quartiere einnehmen konnten.Dass man sich Computer als sperrige Geräte vorstellte, die in den sterilen Kellerräumen gekühlt werden mussten und deren Hardware man fast nie zu sehen bekam, lag auf der Hand.Bis weit in die 70er-Jahre hatte die umfassende Mehrheit der Menschheit selbst in den urbanen Zentren keinen Zugang zu den zentralisierten Großrechnern.Wer nicht einen Auftrag an den Elite-Universitäten, beim Militär oder bei einigen wenigen Großunternehmen erhielt, bekam einen Computer oftmals nur in Zeitungsberichten zu Gesicht.Selbst wer doch mit ihnen arbeitete, musste sich in den 60er-Jahren durch die Stapelverarbeitung mit Lochkarten -das Batch Processing -auf lange Wartezeiten und abgeschottete Verarbeitungsgeräte einstellen.Als Abkehr solcher Probleme visierten einige ForscherInnen sowohl in ihren Visionen als auch in ihrer Praxis partizipativere und ›offenere‹ Ansätze an, die zwar zu Beginn wenig an der Größe und Sperrigkeit der eigentlichen Rechner rüttelten, doch zumindest die Nutzungsmöglichkeiten über neue Netzwerkzugänge und Verbindungsgeräte, die Terminals, zugänglicher machten.97 96 Licklider, Joseph C. R.