Moderner Kernspintomograf in einer hellen Klinik

Projekt

Untersuchung der strahlungsfreien Kephalometrie mit Hilfe der Magnetresonanztomographie

Das Fernröntgenseitenbild (FRS) ist eine wichtige Standardaufnahme der kieferorthopädischen Basisdiagnostik. Jedoch ist die Belastung durch ionisierende Strahlung mit einem erhöhten Krebsrisiko verbunden, wobei insbesondere Kinder und Jugendliche besonders gefährdet sind. Die Magnetresonanztomographie (MRT) ist ein al…

Das Fernröntgenseitenbild (FRS) ist eine wichtige Standardaufnahme der kieferorthopädischen Basisdiagnostik. Jedoch ist die Belastung durch ionisierende Strahlung mit einem erhöhten Krebsrisiko verbunden, wobei insbesondere Kinder und Jugendliche besonders gefährdet sind. Die Magnetresonanztomographie (MRT) ist ein alternatives bildgebendes Verfahren, bei welchem keine ionisierende Strahlung eingesetzt wird. Durch technische Weiterentwicklungen ist es inzwischen möglich, Knochen und Zähne besser darzustellen. Das Ziel dieser Arbeit war es, die Äquivalenz der kephalometrischen Analyse von dreidimensionalen MRT-Datensätzen im Vergleich zu zweidimensionalen FRS-Aufnahmen zu untersuchen. Fünfzehn mitteleuropäische pädiatrische Patientinnen und Patienten der Zahnklinik 3 – Abteilung für Kieferorthopädie des Uniklinikums Erlangen (7 männliche, 8 weibliche; Altersspanne: 10-16 Jahre; Durchschnittsalter: 12.80 Jahre ± 1.86 Jahre), die eine kieferorthopädische Behandlung im Zeitraum von Dezember 2019 bis Juli 2021 erhielten, wurden in diese Pilotstudie eingeschlossen. Neben der Standard 2D FRS-Aufnahme erhielten die Probandinnen und Probanden eine 3D-3T MRT-Aufnahme des Kopfes. Vier Raterinnen werteten die FRS- und MRT-Aufnahmen kephalometrisch aus. Bei der kephalometrischen Analyse der MRT-Aufnahmen kam eine einfache, nachbereitungsfreie Methode zum Einsatz. 13 Winkel wurden ausgemessen. Die Messungen beider Bildgebungsmodalitäten wurden statistisch miteinander verglichen, wobei Intraklassen-Korrelationskoeffizienten (ICCs), Bland-Altman-Diagramme und zwei einseitige Tests (TOST) mit einer Äquivalenzgrenze von ± 2.0° verwendet wurden. Die Messergebnisse wurden nach Alter und Geschlecht aufgeschlüsselt. Außerdem wurde die für die Auswertung benötigte Zeit gemessen. Der Mittelwert der durchschnittlichen Differenzen der Winkelmessungen (FRS minus MRT) erstreckte sich zwischen -1.8192° und -0.0538° und die Standardabweichung variierte zwischen 2.8973° und 5.6831°. Bei Betrachtung der dreizehn winkelspezifischen ICCs der Auswertung der 3D MRT-Datensätze konnte die Interraterreliabilität für drei Winkel (Ar–Tgo-Me, Me-Tgo–SN und ANS-PNS-Me-Tgo) als „fast perfekt“ und für drei Winkel (ANB, L1–NB und L1–Me-Tgo) als „substantiell“ bewertet werden. Insbesondere die kephalometrische Analyse des Unterkiefers erzielte gute Ergebnisse. Dennoch konnte die Äquivalenz beider kephalometrischen Analysemethoden für keinen Winkel mit einem Signifikanzniveau von ± 2.0° nachgewiesen werden (p < 0.05). Die Gleichwertigkeit der beiden Bildgebungsmodalitäten konnte in unserem jungen Patientenkollektivnicht nachgewiesen werden. Neue Analyseverfahren für die 3D-Kepahlometrie im MRT-Datensatz sollten daher je nach skelettalem Alter, Geschlecht und Ethnie entwickelt und anhand einer größeren Fallzahl untersucht werden.