Projekt
Soziotechnische Intelligenz mit stochastischen Kontingenzmaschinen
Soziotechnische Intelligenz mit stochastischen KontingenzmaschinenIm Anschluss an die Auswertung der Ergebnisse meiner empirischen Fallstudie sollen diese nun in Zusammenhang mit der sozialtheoretischen Problematisierung von ML gebracht werden, die eingangs entwickelt wurde.Anliegen dieser Problematisierung war, in Au…
Soziotechnische Intelligenz mit stochastischen KontingenzmaschinenIm Anschluss an die Auswertung der Ergebnisse meiner empirischen Fallstudie sollen diese nun in Zusammenhang mit der sozialtheoretischen Problematisierung von ML gebracht werden, die eingangs entwickelt wurde.Anliegen dieser Problematisierung war, in Auseinandersetzung mit der relevanten sozial-und geisteswissenschaftlichen Literatur eine sozialtheoretische Annäherung an ML zu erarbeiten.Bestimmend für die dabei entwickelten Vorüberlegungen -aus denen gleichermaßen Fragestellungen für die empirische Fallstudie gewonnen wurden -war die grundlegende Frage nach dem Charakter der Sozialität von ML.In diesem Sinne verfolgte -und verfolgt -die Argumentation das Ziel, ein soziologisches Verständnis von ML zu entwickeln, das die Gemeinsamkeiten der vielseitigen Erscheinungsformen von ML als sozialem Phänomen begrifflich festzuhalten vermag.Der Anspruch an das Argument wird darin bestehen, in Form einer reflexiven Analyse die Möglichkeitsbedingungen von ML hinsichtlich seiner Emergenz, (Re-)Produktion und sozialer Integration zu beleuchten.Einerseits werden sich die entwickelte theoretischen Überlegungen vor dem Hintergrund meiner empirischen Resultate zu bewähren haben, wenn sie nicht nachgerade aus diesen gewonnen sind.Dies macht erforderlich, die theoretische Konzeptualisierung von ML mit methodologischen Reflexionen zu verknüpfen: Welcher Zusammenhang besteht zwischen meine empirischen Beobachtungen und meinen theoretischen Vorarbeiten?Diese haben schließlich zu einem vorläufigen soziologischem Verständnis von ML geführt, das in einer spezifischen empirischen Perspektivierung (Situationsanalyse als empirische Problemanalyse) und Operationalisierung (ML als Praxis) mündete, die freilich meine ethnografischen Beobachtungen präfigurierten und dementsprechend gleichermaßen meine Analyse beeinflussten.Was heißt etwa, dass sich in der empirischen Beobachtung von ML praktische Lösungen für die epistemische Inkommensurabilität von Beschreibungsformen (Zahlen, Bilder, Tabellen, Texte) und operativen Logiken (der Sprache, des Rechnens) zeigen, hinsichtlich der sozialtheoretischen Bestimmung von ML? 1956, S. 272) oder systemtheoretisch als für Beobachter:innen kontingente Auswahl einer Problemlösung bei Niklas Luhmann (vgl.1984, S. 158). 4 ML-Situationen als soziotechnische Intelligenztests Diese Überlegungen zielen darauf ab, dass in der hier entwickelten praxeologischen Perspektive jede praktischen Bewältigung einer Situation einer selektive Problembewältigung entspricht, die Adaption wie auch Reflexion des praktischen Vorgehens notwendig machen kann.In diesem kommt jedes Bewältigen bzw.Bestehen einer Situation letztlich dem gleich, was als sozialer Intelligenztest verstanden werden kann.Was ist damit gemeint?Zunächst ist zu bemerken, dass das Soziale dieses Intelligenztests über sein Bezugsproblem und seine konkreten Umstände bestimmt ist.Im Fall der vorliegenden Studie ging es um Praktiken, die im Rahmen einer Situation gewissermaßen einem Test unterzogen werden (bzw.sich diesem unterziehen).Im Unterschied zu Susan Leigh Stars »Durkheim-Test« 5 befindet sich hier keine »Gemeinschaft«, sondern eben eine Praxis auf dem Prüfstand.Soziale Intelligenz kann dementsprechend verschiedentlich operationalisiert werden.Entscheidend ist, dass das jeweils als ›das Soziale‹ Verstandene in analytischer Betrachtung als Ursprung der beobachteten Intelligenz verstanden wird.Analog zu George Herbert Meads These, dass »Geist oder Intelligenz« nur durch »Gesten qua signifikante Symbole« möglich seien und folglich Denken nur »mit Hilfe solcher Gesten« (Mead 1980 [1934], S. 86) stattfinden könne, dass also mutmaßlich ›innerliche Vorgänge‹ mithin auf ›externe Strukturen‹ angewiesen sind, ist hier anzunehmen, dass Intelligenz sich eben nicht kraft eines ›immer schon intelligent gewesenen‹ Akteur, sondern als Synthese verschiedener Potenziale manifestiert (vgl.Bratton 2021), die ihrerseits auch ext…