Projekt
Musizierende Maschinen mit poetischem Gemüt
Musizierende Maschinen mit poetischem Gemüt. Was lässt sich von E. T. A. Hoffmanns Kritik an Automaten über Künstliche Intelligenz lernen?E. T. A. Hoffmann war ein ausgezeichneter Analytiker der Beziehungen des Menschen zu den Maschinen, insbesondere der Projektion von Subjekteigenschaften auf Maschinen, die zugleich…
Musizierende Maschinen mit poetischem Gemüt. Was lässt sich von E. T. A. Hoffmanns Kritik an Automaten über Künstliche Intelligenz lernen?E. T. A. Hoffmann war ein ausgezeichneter Analytiker der Beziehungen des Menschen zu den Maschinen, insbesondere der Projektion von Subjekteigenschaften auf Maschinen, die zugleich auf das Selbstverständnis zurückwirkt, das der Mensch von sich selbst entwickelt. Anders als häufig angenommen kommt die romantische Ästhetik der Frage nach möglicherweise schöpferischen Leistungen technologischer Apparate entgegen, da zu ihren wichtigsten Merkmalen kombinatorische Verfahren und Zufallsproduktion gehören. Beide führt Hoffmann in seinen Kompositionen und Texten vor. Überdies sind mechanische Automaten zentraler Gegenstand einiger der Erzählungen Hoffmanns, vor allem in Der Sandmann und Die Automate. Diese Sachverhalte legen nahe, seine Überlegungen als Ausgangspunkt für eine Untersuchung des heutigen Verständnisses von Künstlicher Intelligenz (KI) zu nutzen, gerade auch, was ihre Rolle in künstlerischen oder kreativen Prozessen angeht.Der Beitrag fragt, ob die Zuschreibung subjektähnlicher Eigenschaften an KI-Technologie angemessen ist, und weitergehend, inwieweit der einer solchen Auffassung zugrundeliegende Subjektbegriff konsistent und tragfähig ist. Komplementär dazu wird untersucht, welchen Veränderungen der Diskurs um die KI den Begriff des menschlichen Subjekts unterzieht, damit dessen Merkmale als auf Technologie übertragbar erscheinen. Diese Begriffsübertragungen erweisen sich für den Selbst- und Weltbezug des Menschen als problematisch. So nimmt es nicht Wunder, dass, um KI als Subjekt oder Akteur begreifen zu können, auch manipulative Verfahren und solche der Täuschung erforderlich sind.Im künstlerischen und musikalischen Feld zeigen sich einige Aspekte der subjektähnlichen Auffassung von KI mit besonderer Schärfe. Dies betrifft zunächst den Außenweltbezug von Kunst. Kunst geht nicht auf in der Anwendung von Mustern nach bestimmten Verfahren; das Einbrechen von ihnen nicht immanenten Ereignissen und Dingen in sie ist von entscheidender Bedeutung für den künstlerischen Prozess. Solche integrativen Leistungen können KI-Systeme vermutlich nicht erbringen, denen ein spontaner Außenweltbezug fehlt. Eine weitere Schwierigkeit ergibt sich aus dem schwierigen Verhältnis der ästhetischen Gegenstände und ihrer materiellen Träger. Allein aus einer erzeugten Klangfolge oder aus einer erzeugten Farbverteilung auf Leinwand, Papier oder Bildschirm lässt sich nicht erschließen, um welches Kunstwerk es sich bei den jeweiligen Klangfolgen oder Farbverteilungen jeweils handelt. Weder sind Musik und Kunst in ihrer Herstellung ohne Intentionalität und Interpretation denkbar noch sind sie es als Gegenstand. Aus diesem Sachverhalt resultieren schwerwiegende Probleme für das Verständnis der Resultate von KI als Kunst und generell für ihre Interpretierbarkeit. Music-making Machines with a Poetic Mind. What Can We Learn about Artificial Intelligence from E. T. A. Hoffmann’s Criticism of Automata?E. T. A. Hoffmann was an astute analyst of the relationships between humans and machines – particularly of the projection of subject-like qualities onto machines, a process that in turn affects the self-understanding humans develop about themselves. Contrary to common assumptions, Romantic aesthetics is in fact quite compatible with the question of potentially creative achievements by technological apparatuses, since two of its defining features are combinatorial methods and the production of chance. Hoffmann demonstrates both in his compositions and writings. Moreover, mechanical automata play a central role in several of Hoffmann’s stories, especially The Sandman and The Automata. These aspects suggest that his reflections can serve as a starting point for investigating today’s concept of Artificial Intelligence (AI), especially in relation to its role in artistic or creative processes.This paper asks whether the attri…
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