Projekt
Literarisches Übersetzen und Künstliche Intelligenz
Lange galt das Übersetzen von Literatur ebenso wie das Schreiben als rein menschliche Domäne.Sprachliche Feinheiten, kulturelle Nuancen und emotionales Einfühlen -das war für Computer zu schwer.Obwohl das Übersetzen an Universitäten, in Workshops und durch Erfahrung erlernbar ist, also längst nicht mehr in den Zuständ…
Lange galt das Übersetzen von Literatur ebenso wie das Schreiben als rein menschliche Domäne.Sprachliche Feinheiten, kulturelle Nuancen und emotionales Einfühlen -das war für Computer zu schwer.Obwohl das Übersetzen an Universitäten, in Workshops und durch Erfahrung erlernbar ist, also längst nicht mehr in den Zuständigkeitsbereich des naturbegabten Genies fällt, wird die technische Generierbarkeit von Sprachkunst oft noch für unmöglich gehalten.Mit dem Aufkommen von Übersetzungstools wie Google Translate oder DeepL steht das Paradigma des Menschlichen infrage.Die Popularisierung von generativer Sprach-KI à la ChatGPT, Claude oder Gemini trägt dazu bei, dass sich der Blick auf menschliche Kreativarbeit verändert.Solange literarische Übersetzungen einen ökonomischen Wert haben, muss für ihre Erstellung gearbeitet werden.Wäre dem nicht so, könnten alle Leserinnen mittels Übersetzungsprogramm die gesamte fremdsprachige Literatur übersetzen lassen und müssten keine übersetzten Bücher mehr kaufen.Automatisch generierte Übersetzungen erfüllen längst noch nicht die Qualitätserwartungen an Literatur.Doch ob der Beruf der Übersetzerinnen, wie er heute besteht, auch weiter existieren wird, steht auf einem anderen Blatt.Der in ver.di organisierte Verband der Literaturübersetzerinnen VdÜ steht deshalb vor der Frage, inwieweit bisherige Arbeitsweisen bewahrt werden müssen und wie die Arbeitsbedingungen der Zukunft zu gestalten sind.Werden heutige Übersetzerinnen durch weniger qualifizierte Nachbearbeiterinnen von KI-Output ersetzt?Eignen sich einige Vertreterinnen der Zunft ein technisches Know-how an, das sie produktiver macht, andere jedoch vom Markt drängt?Schon länger ist das Ökosystem der literarischen Übersetzung wegen sinkender Honorare und höheren Zeitdrucks in Gefahr.Versuche, das System mittels gemeinsamer Vergütungsregeln und Normverträgen zu retten, konnten die prekären Arbeitsbedingungen bislang nicht beseitigen.In Zeiten von »künstlicher Kommunikation« (Esposito 2022: 3) könnte sich die Arbeitsteilung bei der Produktion literarischer Übersetzungen radikal verändern.Ob der Wandel als eine Chance für die Übersetzer*innen genutzt wird, hängt auch von ihrem aktiven Engagement für insgesamt bessere Arbeitsbedingungen ab.