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Projekt

Humane Digitalisierung oder digitalisierter Mensch?

Wer einen fundierten und zugleich differenzierten Einblick in die ethischen Herausforderungen der Digitalisierung gewinnen will, ohne sich entweder in anwendungsethischen Einzelfragen zu verlieren oder umgekehrt undifferenzierten Pauschalbewertungen zu erliegen, muss vorab zweierlei leisten:Zum einen ist zu klären, wa…

Wer einen fundierten und zugleich differenzierten Einblick in die ethischen Herausforderungen der Digitalisierung gewinnen will, ohne sich entweder in anwendungsethischen Einzelfragen zu verlieren oder umgekehrt undifferenzierten Pauschalbewertungen zu erliegen, muss vorab zweierlei leisten:Zum einen ist zu klären, was unter dem nur scheinbar klaren Begriff der Digitalisierung überhaupt zu verstehen ist.Dabei zeigt sich schnell, dass der Begriff Digitalisierung -in dieser Hinsicht strukturanalog etwa zu demjenigen der Globalisierung 1ein abstrakter Ganzheitsbegriff ist, der zwar eine Fülle von bestimmten Sachverhalten, Prozessen und Zusammenhängen unter sich fast, selbst aber gar keinen einheitlichen und bestimmten Gegenstand hat: Die Digitalisierung als solche gibt es nicht, sehr wohl aber ein komplexes, wechselwirkendes Netzwerk von konkreten digitalen Prozessen und Faktoren, die es zu allererst auszubuchstabieren gilt.Zum zweiten ist dann ein ethischer Maßstab zu bestimmen, von dem aus sich das normative Koordinatennetz ableiten lässt, anhand dessen sich die Digitalisierung im beschriebenen Sinne angemessen bewertet werden kann. Digitalisierung -das Big PictureZur ersten Aufgabe: Will man bestimmen, was Digitalisierung ist, dann ist zunächst festzustellen, dass Digitalisierung zwar mit einer bestimmten Form der Technik verknüpft ist, in ihrer Bedeutung und Relevanz aber keineswegs in dieser technischen Dimension aufgeht.Vielmehr sind es gerade die nicht-technischen Bezüge der Digitalisierung -sowohl im Hinblick auf ihre Grundlagen als auch auf ihre Auswirkungen -, die von ethischer Relevanz sind.Eine bloße Technik als solche ist moralisch irrelevant: Erst ihre 1 Um es mit Immanuel Kant zu formulieren: Die Welt ist kein möglicher Gegenstand der Erkenntnis, sondern nur eine regulative Idee; vgl.Kant 1983a, ›Transzendentale Dialektik‹.-Auch die Digitalisierung in diesem Sinne ist kein empirisch beschreibbarer Gegenstand, sondern eine Idee, die als solche offen für Bedeutungsaufladungen und Narrative ist (hierzu siehe unten).