Projekt
Gute Küste Niedersachsen - Reallabore für einen ökosystemstärkenden Küstenschutz an der niedersächsischen Küste
Das Forschungsprojekt „Gute Küste Niedersachsen“ (2020–2025) adressierte die Leitfrage nach einem nachhaltigen, sicherheitsorientierten Küstenschutz. Im Zentrum standen die Etablierung und der Wirkungsnachweis naturbasierter Lösungen (Nature-based Solutions, NbS) als synergetische Ergänzung zu technischen Bauwerken an…
Das Forschungsprojekt „Gute Küste Niedersachsen“ (2020–2025) adressierte die Leitfrage nach einem nachhaltigen, sicherheitsorientierten Küstenschutz. Im Zentrum standen die Etablierung und der Wirkungsnachweis naturbasierter Lösungen (Nature-based Solutions, NbS) als synergetische Ergänzung zu technischen Bauwerken an der niedersächsischen Nordseeküste. Durch einen transdisziplinären Ansatz, der von physikalischer Modellierung über ökologische Zustandsbewertungen bis hin zu behördlicher und gesellschaftlicher Partizipation in drei Real-laboren (Spieckeroog, Neßmersiel und Langwarden) reichte, wurde die Lücke zwischen theoretischer Forschung, Bedarfsorientierung und praktischer Anwendung geschlossen. Das Vorhaben war in fünf Teilprojekte untergliedert. Der wissenschaftliche Output lag in der Entwicklung eines übergeordneten methodischen Rahmens für Reallabore im Küstenraum im Co-Design mit Akteursgruppen, um die Zusammenarbeit und das Vertrauen zwischen Wissenschaft und Praxis zu stärken und Interessenkonflikte frühzeitig zu lösen. In fachlicher Hinsicht wurde eine Modellierungskette zur Identifikation und Quantifizierung des Einflusses von Vegetationsparametern zur Wellendämpfung und Erosionsresistenz erstellt. Es wurde der Nachweis erbracht, dass anthropogene Strukturen (am Bsp. einer Buhne in einem Seegatt) das Erosionsrisiko der Küstenlinie unter den Folgen des Klimawandels zusätzlich erhöhen. Darüber hinaus wurde ein systematischer Vergleich von Schutzleistungen technischer und natürlicher Strukturen geführt, welcher belegt, dass NbS (z.B. vorgelagerte Salzwiesen, biodiverses Saatgut für Deiche) den Zusatznutzen als Kohlenstoffsenken bieten und die Bodengüte von Deichsystemen erhöhen. Aus sozio-ökologischer Perspektive wurde im Vorhaben bestätigt, dass eine hohe Akzeptanz für kombinierte Küstenschutzlösungen in der Bevölkerung grundsätzlich vorhanden und ausschlagend zur Überwindung von „Lock-in“-Effekten zwischen Küstenschutz und Naturschutz ist. Der übergeordnete Outcome des Vorhabens liegt vor allem darin, dass der Übergang von rein technischen hin zu ökosystemstärkenden Strategien methodisch abgesichert wird und die entwickelten Konzepte für die Integration von NbS in Regelwerke herangezogen werden können. Die lückenlose Modellierungskette und die entwickelte Toolbox ermöglichen es Anwendern, zukünftige Maßnahmen präziser zu planen und ökologische Folgewirkungen anthropogener Eingriffe vorab zu bewerten und dadurch zu minimieren. Durch die Nutzung natürlicher Synergien (z.B. CO2-Speicherung, Biodiversitätsförderung und Erosionsschutz) werden Küstenregionen nicht nur sicherer, sondern auch ökologisch robuster. Das etablierte Co-Design-Modell reduziert Widerstände gegen Infrastrukturprojekte und schafft eine stabile Vertrauensbasis zwischen Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft. Die erfolgreiche Ausbildung zahlreicher Nachwuchskräfte (Absolventinnen und Absolventen, PhDs, Postdocs) im interdisziplinären Dreieck der Universitäten Braunschweig, Hannover und Oldenburg sichert langfristig die Expertise für das Küstenmanagement in Niedersachsen. Das Forschungsprojekt bestätigt damit, dass moderner, zukunftsgewandter Küstenschutz eine transdisziplinäre Aufgabe ist, die nur durch das Zusammenspiel von technischer Innovation, ökologischem Verständnis, behördlicher Erfahrung und gesellschaftlicher Akzeptanz erfolgreich als gezielte Anpassungsmaßnahme auf den Klimawandel reagieren kann.