Projekt
Extraktive urbane Landschaften
Die Expansion von Rechenzentren markiert eine neue Phase des digitalen Kapitalismus und hat erhebliche Auswirkungen auf lokale urbane Infrastrukturen. Der Beitrag untersucht auf der Grundlage von Interviews mit Akteur:innen aus dem Feld sowie der Analyse einschlägiger Dokumente, wie sich der Ausbau von Rechenzentren a…
Die Expansion von Rechenzentren markiert eine neue Phase des digitalen Kapitalismus und hat erhebliche Auswirkungen auf lokale urbane Infrastrukturen. Der Beitrag untersucht auf der Grundlage von Interviews mit Akteur:innen aus dem Feld sowie der Analyse einschlägiger Dokumente, wie sich der Ausbau von Rechenzentren auf städtische Infrastrukturnetze und insbesondere auf das Stromnetz auswirkt. Aufgrund des enormen Strombedarfs von Rechenzentren und deren stark gestiegener Zahl in der Metropolregion Berlin wurden verfügbare Kapazitäten des Stromnetzes fast vollständig für neue Rechenzentren reserviert. Dies führt zu einer Spekulation mit Stromnetzanschlüssen, während andere Stromverbraucher:innen drohen, im Zuge einer sogenannten Energie-Gentrifizierung verdrängt zu werden. Wir schlagen den Begriff digital induzierter Infrastruktur-Extraktivismus vor, um zu beschreiben, wie Digitalkonzerne und Rechenzentrumsindustrie auf lokale urbane Infrastrukturen zugreifen, um Rechenkapazitäten auszubauen. Dies wirft Fragen nach der zukünftigen Ausrichtung und demokratischen Steuerung von Infrastrukturen auf, insbesondere wenn Rechenzentren etwa für die Entwicklung von künstlicher Intelligenz massiv ausgebaut werden sollen.