Forschungsteam vor Bildschirmen mit Visualisierungen künstlicher neuronaler Netze

Projekt

Artificial intelligence and literary translation: A comparative study of translation strategies based on The Great Gatsby by F. Scott Fitzgerald

Künstliche Intelligenz wird immer häufiger zur Übersetzung kreativer Texte eingesetzt, wodurch die Frage aufkommt, inwiefern KI-basierte Übersetzungssysteme mit der charakteristischen Bedeutungstiefe literarischer Werke umgehen können. In Anbetracht dessen untersucht die vorliegende Arbeit, welche Übersetzungsstrategi…

Künstliche Intelligenz wird immer häufiger zur Übersetzung kreativer Texte eingesetzt, wodurch die Frage aufkommt, inwiefern KI-basierte Übersetzungssysteme mit der charakteristischen Bedeutungstiefe literarischer Werke umgehen können. In Anbetracht dessen untersucht die vorliegende Arbeit, welche Übersetzungsstrategien ChatGPT (GPT-5.1) bei der Übertragung kulturspezifischer Ausdrücke in literarischen Werken nutzt, wie sich diese von den Strategien menschlicher Übersetzerinnen unterscheiden und inwiefern das Prompt-Engineering die von ChatGPT angewandten Strategien beeinflusst. Darüber hinaus wird analysiert, inwiefern die hermeneutische Übersetzungspraxis im neuen Zeitalter KI-gestützter Übersetzung weiterhin relevant ist. Im Zuge dessen wurden eine Humanübersetzung und drei mithilfe unterschiedlicher Prompts erzeugte ChatGPT-Übersetzungen des Werkes The Great Gatsby im Rahmen einer Übersetzungsanalyse mit dem Original gegenübergestellt. Spezifisch wurden dabei die Übersetzungen kulturspezifischer Ausdrücke aus den ersten drei Kapiteln anhand von Chestermans (1997) Übersetzungsstrategien analysiert. Zentrale Ergebnisse der Arbeit zeigen, dass der menschliche Übersetzer bei der Übertragung von Kulturspezifika eine Vielzahl unterschiedlicher Strategien einsetzt, um diese für die Zieltextleserinnen zugänglich zu machen. ChatGPT hingegen überträgt entsprechende Begriffe überwiegend auf einer oberflächlichen sprachlichen Ebene und greift dabei vor allem auf die Strategie der Entlehnung zurück. Die KI-generierten Übersetzungen spiegeln somit den individuellen kreativen und reflexiv geprägten Charakter, den menschliche Übersetzer*innen in die Übersetzung kulturspezifischer Elemente einbringen, unzureichend wider. Dieser Entwicklung könnte durch gezieltes Prompting und reflektiertes Post-Editing zumindest teilweise entgegengewirkt werden.