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6.4 DIY – Technik als Körperteile nichtmenschlicher Cyborgs?

6.4 DIY -Technik als Körperteile nichtmenschlicher Cyborgs?Wenn gegenwärtig Körper mit technischen Artefakten angereichert werden, gelten sie in der Regel weiterhin als menschliche Körper.Zwar wird in solchen Fällen gelegentlich neu verhandelt, wie genau diese Körper mit technischen Bauteilen zu verstehen sind, doch f…

6.4 DIY -Technik als Körperteile nichtmenschlicher Cyborgs?Wenn gegenwärtig Körper mit technischen Artefakten angereichert werden, gelten sie in der Regel weiterhin als menschliche Körper.Zwar wird in solchen Fällen gelegentlich neu verhandelt, wie genau diese Körper mit technischen Bauteilen zu verstehen sind, doch finden diese Aushandlungen meist innerhalb des Spektrums humaner Binnenunterscheidungen statt (Kapitel 6.2 und 6.3).Körper mit Technik werden dabei in Relation zu nicht modifizierten Körpern eingeordnet.Sie gelten als gesund oder krank, leistungsfähig oder eingeschränkt, fortschrittlich oder benachteiligt, jedoch nicht als nichtmenschlich.Die technische Anreicherung kann somit zwar die Einordnung des Körpers beeinflussen, stellt aber seine Zugehörigkeit zur Kategorie des Menschen in der Regel nicht infrage.Dass technisch angereicherte Körper gegenwärtig als außerhumane Körper interpretiert werden, die die Grenzen des Humanen überschritten haben, ist demgegenüber ein seltenes Phänomen.Entsprechende Deutungen finden sich vor allem im Bereich der Fiktion, wo entmenschlichte Körper als Gedankenexperiment dienen (Kapitel 3).Wenn über die Fiktion hinaus real modifizierte Körper als nicht mehr menschlich interpretiert werden, handelt es sich zumeist um Selbstkategorisierungen, die abseits etablierter gesellschaftlicher Deutungsmuster entstehen und dort erprobt werden.Im Kontext der Reflexion des gesellschaftlichen Umgangs mit technisch angereicherten Körpern lassen sich diese Einzelfälle jedoch als aufschlussreiches Nischenphänomen betrachten.Drei Personen, die sich selbst als teilweise oder vollständig nichtmenschlich beschreiben, sind Neil Harbisson, Moon Ribas und Manel de Aguas (geb.Manel Muñoz).Sie haben ihre ursprünglich menschlichen Körper durch technische Implantate erweitert und bezeichnen sich seither als ›transpecies Cyborgs‹ (de Aguas, 2020d; ORF, 2017).Neil Harbisson verfügt nach eigener Auskunft über ein »electronic Eye« (TED, 2012), das es ihm ermöglicht, Farben zu hören.An seinem Hinterkopf ist eine Antenne implantiert, die über seine Stirn nach vorn ragt.An ihrer Spitze befindet sich ein Sensor, der Farbwellen empfängt.Diese werden in unterschiedliche Tonhöhen übersetzt und über Vibrationen am Schädelknochen wahrnehmbar gemacht.Harbisson begründet diese Erweiterung damit, dass er von Geburt an farbenblind