Projekt
1 Einleitung
Am 6. Mai 1953 bot sich in Philadelphia einer Gruppe von gespannten Beobachtern ein außergewöhnliches Schauspiel.Um eine klaffende Höhle inmitten eines weißen Tuches huschten hastige Hände und gruben scharf blitzendes Metall in die offenliegenden Kammern eines blutentleerten Herzens.Umso reichlicher strömte die dem He…
Am 6. Mai 1953 bot sich in Philadelphia einer Gruppe von gespannten Beobachtern ein außergewöhnliches Schauspiel.Um eine klaffende Höhle inmitten eines weißen Tuches huschten hastige Hände und gruben scharf blitzendes Metall in die offenliegenden Kammern eines blutentleerten Herzens.Umso reichlicher strömte die dem Herzen entzogene Flüssigkeit allerdings durch einen Wirrwarr aus Plastikschläuchen, die unter dem Tuch hervorquollen und allerlei Metallkanülen, Glasgefäße sowie ein wuchtiges Edelstahlgehäuse miteinander verbanden.Wem es gelang, den Blick von dem eifrigen Treiben im Inneren des zuckenden Herzens abzuwenden, konnte erkennen, dass das Blut von mehreren schnell rotierenden Rollerpumpen vorangetrieben wurde.Zahlreiche Armaturen, angebracht an der Seitenwand des Gehäuses, ließen wiederum aufwendige Elektronik erahnen, welche verborgen unter glänzender Oberfläche die Geschwindigkeit der Pumpen und andere Parameter regelte.Den wohl faszinierendsten Anblick bot jedoch ein senkrecht aufragender Plexiglaskasten, in dem das Blut sachte an engmaschigen Drahtgitterplatten herabglitt und dabei -fast wie von Zauberhand -ein sattes Rot annahm.Von dort strömte es über die Schläuche zurück in Richtung des weißen Tuches, unter dem sich vage die Proportionen eines menschlichen Körpers abzeichneten.Was sich hier abspielte, sollte schon bald unter dem Terminus technicus des »kardiopulmonalen Bypasses« zum Dreh-und Angelpunkt einer wachsenden chirurgischen Spezialliteratur werden. 1 Denn die besagte Gruppe von gespannten Beobachtern bestand tatsächlich aus Assistenzärzten, die im Operationsraum des Jefferson Hospital Zeugen eines wagemutigen Eingriffs am offenen Herzen einer 18jährigen Patientin wurden.Das Operieren am offenen Herzen war bis dahin ein selten versuchtes, noch seltener geglücktes und schon allein deshalb aufsehenerregendes Unterfangen.Was ebendiese Herzoperation vom 6. Mai 1953 jedoch zu einem Ereignis für die Geschichtsbücher machen sollte, war der weltweit erste erfolgreiche Einsatz einer Herz-Lungen-Maschine. 2 Vgl.John H. Gibbon Jr., »Application of a Mechanical Heart and Lung Apparatus to Cardiac Surgery«, Minnesota Medicine 37/3 (1954), S. 171-180, hier: S. 176. 3 »Life from Robot Hearts and Lungs Outside Your Body During Repairs«, Pittsburgh Sun-Telegraph (26.Februar 1939), S. 49. 4 »Artificial Heart.Mechanical Device Substitutes for Living Organ«, Life Magazine (8.Mai 1950), S. 90-92.5
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